Planungsverlauf

 Die A 39: gestern, heute – morgen?

Die An­fän­ge der heu­te als A 39 ge­plan­ten Au­to­bahn lie­gen be­reits in der Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus. Ganz im Sin­ne des da­ma­li­gen Größen­wahns, hat­te das Re­gime ei­ne Nord-​Süd-​Ver­bin­dung von Stock­holm bis – min­des­tens – Wien im Sinn. Durch den Krieg kam es je­doch nicht zur Aus­füh­rung, und die Tei­lung Deutsch­lands ver­hin­der­te im An­schluss größe­re Ver­kehrs­pro­jek­te im Zo­nen­rand­ge­biet.
Be­reits kurz nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung be­gan­nen Wirt­schafts­ver­bän­de (und nur die­se!) er­neut über ei­ne so ge­nann­te ver­kehr­li­che Er­schlie­ßung des Raums zwi­schen der A 7 im Wes­ten und der A 10 (Ber­li­ner Ring) im Os­ten nach­zu­den­ken. Ge­for­dert wur­den sei­ner­zeit zwei sich kreu­zen­de Au­to­bah­nen: die Stre­cken Lü­ne­burg – Mag­de­burg und Schwe­rin – Wolfs­burg. Die­se so ge­nann­te X-​Va­ri­an­te schei­ter­te – na­tür­lich – am ve­he­men­ten Wi­der­stand im Wend­land.
Im Wahl­kampf der Land­tags­wah­len in Sach­sen-​An­halt und Meck­len­burg-​Vor­pom­mern im Jahr 2002 folg­te dann das Wahl­ver­spre­chen ei­ner Au­to­bahn von Schwe­rin nach Mag­de­burg. Heu­te wird die­se Stre­cke als A 14 ge­plant – und hef­tig be­kämpft.
Um nicht als Ver­lie­rer da zu ste­hen, ver­sprach auch der da­ma­li­ge Mi­nis­ter­prä­si­dent von Nie­der­sach­sen, Sig­mar Ga­bri­el, im Land­tags­wahl­kampf im Jahr 2003 die Ver­kehrs­si­tua­ti­on im ehe­ma­li­gen Zo­nen­rand­ge­biet zu ver­bes­sern. Seit­dem wird die A 39 ge­plant, seit­dem auch leis­ten wir Wi­der­stand ge­gen die­se Non­sen­s­au­to­bahn!

Im Früh­jahr 2004 fand wäh­rend der An­trags­kon­fe­renz in Uel­zen der of­fi­zi­el­le Be­ginn der öf­f­ent­li­chen Pla­nun­gen statt. Es folg­te im März 2006 die Ein­lei­tung des Raum­ord­nungs­ver­fah­rens mit der Vor­stel­lung der Vor­zugs­va­ri­an­te (aus pla­ne­ri­scher Sicht be­vor­zug­ter Tras­sen­ver­lauf). Im Au­gust 2008 kam es zur Lan­des­pla­ne­ri­schen Fest­stel­lung und im No­vem­ber des glei­chen Jah­res zur Li­ni­en­be­stim­mung durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ver­kehr, Bau und Stadt­ent­wick­lung.
übers ge­sam­te Jahr 2009 ver­teilt be­gann schließ­lich die Ent­wurfs­pla­nung der in sie­ben Ab­schnit­te ein­ge­teil­ten, rund 105 Ki­lo­me­ter lan­gen A 39. In all die­sen Ab­schnit­ten lau­fen zur­zeit wei­te­re Un­ter­su­chun­gen, die die Ent­wurfs­pla­nung für die Ein­lei­tung des Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens vor­be­rei­ten (sie­he Quick In­fo). Durch Ar­beits­krei­se wer­den die Trä­ger der öf­f­ent­li­chen Be­lan­ge (TöB) ein­ge­bun­den.

Als frü­hest­mög­li­chen Ter­min für die Fer­tig­stel­lung die­ser Un­ter­la­gen wird vom drit­ten Quar­tal des Jah­res 2011 aus­ge­gan­gen. Da­nach wer­den die Plan­fest­stel­lung­un­ter­la­gen er­stellt, bis hin zum Plan­fest­stel­lungs­be­schluss. Da­für gibt es bis­her kein vor­ge­schla­ge­nes Zeit­fens­ter. Es sol­len dann ab­schnitt­wei­se Plan­fest­stel­lungs­be­schlüs­se er­wirkt wer­den. Erst dann ist die Zeit ge­kom­men, in der die Geg­ner der Au­to­bahn kla­gen kön­nen, und es ist mit sehr vie­len und zum Teil sehr lang­wie­ri­gen Kla­gen zu rech­nen, denn die Geg­ner sind per­so­nell und fi­nan­zi­ell bes­tens ge­rüs­tet.

Un­ab­hän­gig von den zu er­war­ten­den Kla­gen muss die ge­sam­te Pla­nung der A 39 durch Par­la­ments­be­schluss in den Fi­nan­zie­rungs­plan der Bun­des­re­pu­blik auf­ge­nom­men wer­den. Da die­ser chro­nisch un­ter­fi­nan­ziert ist, kann es durch­aus sein, dass die A 39 zwar fer­tig plan­fest­ge­stellt wird, aber kei­ne Fi­nan­zie­rung mög­lich ist. Der Fi­nan­zie­rungs­plan wird al­le fünf Jah­re über­ar­bei­tet und steht 2010 er­neut zur Ver­ab­schie­dung an. Wenn die A39 nicht bis 2015 plan­fest­ge­stellt ist – und das ist ein durch­aus rea­lis­ti­sches Sze­na­rio – dann könn­te sie frü­hes­tens 2020 in den dann wie­der­um auf­zu­stel­len­den Fi­nan­zie­rungs­plan Ein­gang fin­den. Se­riö­se An­ga­ben zu Bau­be­ginn und Ver­kehrs­frei­ga­be kön­nen da­her zum jet­zi­gen Zeit­punkt von nie­man­dem ge­macht wer­den.


Quick-Info

Ent­wurfs­pla­nung der in sie­ben Ab­schnit­te ein­ge­teil­ten, rund 105 Ki­lo­me­ter lan­gen A 39
  • Ab­schnitt 1 – Lü­ne­burg Nord bis an die B216 – in der Pla­nung zur Zeit so­gar mit ei­nem Tun­nel im Be­reich Ebens­berg/Moor­feld
  • Ab­schnitt 2 – B216 bis zur L 253 (Nä­he Röms­tedt, LKr Uel­zen) – mit An­schluss­stel­len in Al­ten­me­din­gen und Röms­tedt, ei­ner Tank-​ und Rast­an­la­ge so­wie ei­ner Park-​ und WC-​An­la­ge in ei­ner Gr&Öuml;ßen­ord­nung von 50 ha Flä­che für 200 LKW-​Park­plät­ze
  • Ab­schnitt 3 – L253 (Röms­tedt) bis an die B71 Nä­he Han­stedt II, Stadt Uel­zen durch das FFH-​Ge­biet „Röb­bel­bach", Zer­schnei­dung der Or­te Röb­bel und Gr. Hes­e­beck, die zum Stadt­ge­biet des Kur­or­tes Bad Be­ven­sen ge­hö­ren, Un­ter­su­chung ei­ner Ver­le­gung der li­ni­en­be­stimm­ten Tras­se nach Os­ten in das Ge­biet der Samt­ge­mein­de Be­ven­sen über den wert­vol­len „Wes­ter­sun­der“usw.
  • Ab­schnitt 4 – Han­stedt II – L265 bei Bad Bo­den­teich na­he vor­bei an ver­schie­de­nen Ort­schaf­ten mit gro­ßen Bau­ten im Be­reich Sol­ten­dieck etc
  • Ab­schnitt 5 – L 265 Bad Bo­den­teich bis Wit­tin­gen B 244 mit An­schluß der B 190n süd­lich von Bo­den­teich durch die schüt­zens­wer­ten „See­wie­sen“
  • Ab­schnitt 6 – Wit­tin­gen B 244 bis L 289 bei Eh­ra mit ei­nem ähn­lich gro­ßen Tank-​ und Rast­platz wie bei Seck­len­dorf (s.o.)
  • Ab­schnitt 7 – L 289 bei Eh­ra bis B 188 bei Wolfs­burg an den be­ste­hen­den An­schluss der A 39